Angekommen in Christchurch

Also, wo war ich stehen geblieben? Ach ja genau, wir flogen also nach unserem ein wöchigen Aufenthalt in Auckland nach Christchurch. Von dort aus sollte es dann richtig los gehen! Großes Glück hatten wir in Bezug auf unsere Unterkunft, welche wir natürlich erst einmal bräuchten bis wir ein Auto fänden. Friedi hat aus Deutschland nämlich eine Bekannte, welche einer Organisation namens den „Navigatoren“ angehört. In dieser christlich geprägten Organisation geht es hauptsächlich um Sozialarbeit, beispielsweise Kinder-und Jugendförderung im schulischen Bereich. Die Navigatoren gibt es nicht nur in Deutschland, sondern sind weltweit, vor allem auch in Amerika oder wie hier in Neuseeland, stark vertreten. Über seine Bekannte konnte Friedi jedenfalls online Kontakt zu Tim Simpson aufbauen, dem Leiter der Organisation in Christchurch. Das war ein großer Gewinn für uns, da Tim und seine Frau Leiah so freundlich waren uns für die Zeit in der Stadt Unterschlupf in ihrem Haus zu geben. Das ersparte uns eine menge Kosten für ein Hostel und wir würden gleich ein paar neue Leute kennenlernen. 

Da der Norden Neuseelands im Vergleich zum Süden aufgrund der geografischen Lagen klimatechnisch mildere Gegebenheiten bietet, entschieden wir uns schon früh während der Reiseplanung dafür wären des Sommers auf der Südinsel zu starten und dann durchs übersetzen auf die Nordinsel wenigstens etwas der Winterkälte zu entfliehen. Angekommen in Christchurch wurden wir netterweise von Tim direkt vom Flughafen abgeholt. Also fix das Gepäck eingeladen und ab ging’s mit dem Auto in Richtung Stadt. Auf der Fahrt tauschten wir uns ausgiebig mit Tim über unsere Pläne in Deutschland nach der Work and Travel Zeit und natürlich die Reise an sich aus. Beim Haus angekommen, lernten wir noch Tims Frau Leiah und die drei Kinder der beiden kennen. Nach einem leckeren Abendbrot ging es für uns auch schon ins Bett, denn wir waren müde von der Reise und die Simpsons würden recht früh in den Urlaub aufbrechen. Achso stimmt ja, das hatte ich euch noch gar nicht erzählt. Die Simpsons fuhren am Tag nach unserer Ankunft in den Urlaub und würden das ganze Haus uns überlassen. Warum auch nicht? Ich meine ganz ehrlich, wie lange kennt man sich jetzt schon? Bestimmt an die 5 Stunden! Oh man… quasi Bekannte aus erster Stunde (wortwörtlich…)!

Nach dem wir am nächsten Morgen noch in alles Wichtige eingewiesen wurden, verabschiedeten wir alle und lernten Jordan und Jonathan kennen. Die beiden waren so Mitte 20, ebenfalls Mitglieder der Navigatoren, gute Freunde von Tim und Leiah und super freundlich. Ok, hundert Prozent alleine waren dann doch wir nicht. Jonathan würde immerhin ein bis vielleicht zwei mal in der Woche kurz vorbeischauen, ob das Haus auch nicht brannte oder so. Das wars aber auch. Kurzerhand wurden wir jedenfalls von Jordan zum Abendessen bei Freunden von ihm eingeladen. Wir freuten uns natürlich so schnell Kontakt zu ein paar andere Kiwis (umgangssprachliche Bezeichnung für Neuseeländer) aufbauen zu können und dass einfach alle so nett waren. Abends wurden wir dann von Jordan abgeholt und es ging los zum Dinner. Dort angekommen begrüßten uns Jonathan und seine Freundin Frankie. Während wir beim Abendbrot hielfen tauschten wir uns super viel aus. Dann war das Essen fertig. Es gab selbstgemachte Nudeln mit einer klassisch italienischen Tomatensoße und als Dessert von Jordan noch einen selbstgemangten Cheesecake mit Zitronengeschmack- alles sehr sehr lecker! Am Ende des Abends wurden uns noch ein paar Mangos und reichlich Salat aus dem eigenen Gartenanbau mitgegeben.

Im Verlauf der weiteren Tage, genossen wir unsere schöne Unterkunft und verbrachten viel Zeit faul im Liegestuhl auf der Terrasse in der Sonne. Aber natürlich gab es auch noch Sachen um die sich gekümmert werden musste. Schon in Auckland schrieb ich die Anbieter von ein paar vielversprechenden Onlineinseraten an und teilte ihnen unser Interesse an deren Campern mit. An unserem dritten Tag nach Ankunft in Christchurch hatten wir dann schon unsere ersten zwei Autobesichtigungen. Die erste gegen 16:00 Uhr und die zweite danach gegen 17:30 Uhr. Vor allem auf den zweiten Camper hatten wir es abgesehen, da dieser vom Inserat her schon ausgesprochen verlockend aussah. Naja, jedenfalls besichtigten wir den ersten Van dessen Besitzer zwei nette Franzosen waren, welche auch Work and Travel- mäßig durch Neuseeland gereist waren. Es gab bei dem Auto jedoch so ein paar Sachen die uns nicht ganz zufrieden stellten. Die Fahrertür ließ sich irgendwie nicht mehr richtig schließen und machte beim Öffnen ein seltsam knackendes Geräusch, welches davon zeugte, dass die besten Tage der Tür wahrscheinlich noch vor unserer Zeit lagen. Bei der Testfahrt merkte ich, dass man beim fahren dieses Autos einen echten Bleifuß brauchte, weil irgendwie erst bei wirklich männlichem Pedaldruck der Eintritt einer Bremswirkung festzustellen war. Außerdem war uns der Sound des 2 Liter Dieselmotors in Kombination mit etwas, dass sich wie eine Tuningabgasanlage anhörte aber wohl eher der Klang des zweitausender Baujahrs unterstützt durch ein paar Rostlöcher im Endschalldämpfer war, dann doch etwas zu aggressiv. Man wollte während der Fahrt schon hier und da nochmal ein Wörtchen miteinander wechseln können. Also sagten wir, wir würden uns noch einmal melden, denn man müsste sich zum Vergleich natürlich noch ein, zwei weitere Modelle anschauen. Der zweite Camper, natürlich auch Self-Contained, war für uns dann aber so ziemlich ein Volltreffer. Es handelte sich dabei um ein Mitsubishi Delica Baujahr 2008 in der langen Version mit Automatikgetriebe. Also schon mal wenigstens kein Auto, welches mehr Jahre auf dem Buckel hatte als man selbst. Mit nur knapp über 200.000 Kilometern auf dem Tacho, war der Motor im Vergleich zu vielen anderen quasi auch gerade erst warm gefahren. Der Küchenbereich befand sich hinter dem Bett vor der Heckklappe und war auch von innen recht gut zu erreichen. Das war uns sehr wichtig, da bei vielen etwas kleineren Fahrzeugen der Küchenbereich nur von außen über die Heckklappe erreichbar ist, was vor allem bei schlechtem Wetter äußerst unkomfortabel werden kann. Außerdem war der Camper mit einem 160W Solarpanel auf dem Dach ausgestattet, welches eine zweite Batterie speiste. Über diese konnte man mittels eines verbauten Wechselrichters handelsübliche 230V abzapfen, also „Steckdosenstrom“. Das war für uns Hobbyfotografen mit unserer ganzen Ausrüstung natürlich ein Segen! Das Beste jedoch war, dass über die zweite Batterie auch ein 45l Kühlschrank bzw. Gefrierschrank betrieben wurde. Die Möglichkeit Essen kühl zu lagern ist in so einem Auto ein wahrer Luxus und eröffnet einem ganz neue Möglichkeiten. Ein 25L Wasserkanister versorgte das Waschbecken hinten im Küchenbereich mit Frischwasser und über eine große 5kg Gasflasche wurde der portable Gaskocher mit zwei Feldern betrieben. An Stauraum für unser Gepäck sollte es ebenfalls nicht mangeln. Alles in allem gab es eigentlich so ziemlich alles was wir brauchten und das Auto an sich war auch noch recht gut in Schuss. Das Einzige, wo man kleine Abstriche machen musste waren das Autoradio, genauer gesagt die Lautsprecher, und der etwas hohe Spritverbrauch von gut und gerne mal 12l. Die Lautsprecher, Zwei an der Zahl, klangen nämlich wie ein altes DDR Radio und durch den Spritverbrauch in Kombination mit einem etwas unterdimensionierten 50l Tank, war die Reichweite auch nicht die beste. Aber darüber konnten wir hinwegsehen, denn Probleme macht man sich bekanntlich selber. Wir würden einfach auf der Landstraße statt 100 nur 90 km/h fahren und ein kleines Soundsystem nachzurüsten wäre schließlich auch nicht schwierig. Wir taten also unser Interesse am Camper kund und verhandelten noch etwas. Schlussendlich gelang es mir den Preis nochmal um 400 Dollar zu drücken. Da sie noch einen anderen Interessenten hatten, versicherten uns die Verkäufer, ein sehr nettes australisches Pärchen, sich an diesem Abend nochmal bei uns zu melden. Tatsächlich bekamen wir am Abend eine Nachricht. Sie würden sich freuen uns mitteilen zu können, dass der Camper nun unserer sei! Während der nächsten Tage regelten wir noch den Rest. Das Auto wurde umgeschrieben und wir führten die Überweisung an die Australier durch. Dann war es offiziell unser eigener Camper mit dem wir im nächsten halben Jahr hoffentlich viel erleben würden. In den folgenden paar Tagen statteten wir unseren Camper noch mit einem neuen Satz Töpfe, Pfanne und Messern aus, da diese von den Vorbesitzern schon etwas beansprucht aussahen. Außerdem besorgten wir uns in einem Elektromarkt noch ein Soundsystem, welches wir auch direkt ins Auto einbauten. 

Darf ich vorstellen: Unser Campervan. Getauft auf den Namen „Herr Frodo“

Dann wurde mit unserem neu errungenen Kfz natürlich erst einmal Christchurch und dessen Umgebung erkundet. Direkt am Rand der Innenstadt Christchurchs kann man sein Auto wunderbar in einem großen Parkgebiet abstellen und das Zentrum weiter zu Fuß erkunden. Ein kleiner Spaziergang durch Christchurch ist sehr lohnenswert. Es geht überraschend ruhig und entspannt zu. Die Architektur ist sehr abwechslungsreich, da man teilweise noch sehr alte und historische Gebäude zu Gesicht bekommt aber auch wirklich moderne Neubauten. Dies ist bedingt durch die teilweise sehr heftigen Erdbeben, die hier vor mehreren Jahren auftraten. Vor allem der Stadtbibliothek von Christchurch muss man unbedingt einen Besuch abstatten. Wie man auf den Bildern eventuell erahnen kann, handelt es sich dabei um eine der modernsten Bibliotheken in der ich bis jetzt war und ist wirklich beeindruckend. Gleichzeitig erinnern einen die Treppen zwischen den Etagen auch ein wenig an Hogwarts. Was wir zwar nicht gemacht haben, sich aber für Sightseeing Liebhaber oder auch etwas „fußlahmere“ Menschen auch sehr lohnen kann, ist eine kommentierte Stadtrundfahrt in der historischen Straßenbahn.

Quasi direkt vor den Toren Christchurchs gelegen, gibt es schon den ersten sehr schönen Flecken Natur. Es handelt sich dabei um eine Art Halbinsel, wessen Großteil einem ehemaligen Vulkan entstammte. In mitten dieser malerischen Umgebung liegt der kleine süße Touristenort Akaroa. Wie man es von einem Gebiet geformt durch ehemaligen Vulkanismus vermuten könnte, wird die Halbinsel von sehr schroffen Küstenpartien umzogen. Das schöne ist jedoch, dass sich in der Küste einschneidend immer wieder wunderschöne Buchten befinden, welche durch Gravel Roads (neuseeländische Schotterstraßen) auch mit dem Auto recht gut zu erreichen sind. Wenn man dann auch noch ein self contained zertifiziertes Kfz hat, kommt man in den Genuss direkt an den Buchten sein Lager aufschlagen zu dürfen. 

Wir nutzten natürlich die Gelegenheit und machten von Christchurch aus einen kleinen zwei Tagestrip zur Le Bons Bay, eine dieser wunderschönen Buchten. Das gab uns auch die Möglichkeit mit unserem Camper eine Art Testlauf durchzuführen. So konnten wir sehr einfach feststellen, ob uns vor der Abreise am oder im Auto noch irgendetwas fehlte. Denn in Neuseeland hatten wir ohne festen Wohnsitz natürlich nicht die Möglichkeit Sachen, wie etwaige Ersatzteile, einfach online zu bestellen. Wenn schon, dann auf sehr umständlich Weise mit Lieferung an eine Poststelle in einem größeren Ort, wovon es in Neuseeland aber auch nicht allzu viele gibt. Und „einfach in den Laden gehen und dort Kaufen“ gestaltet sich dadurch natürlich auch schwierig. Deshalb wollten wir sichergehen, dass wir wirklich alles wichtige und essentielle im Camper hätten. Ansonsten wäre es recht einfach in einer großen Stadt wie Christchurch noch etwaige Besorgungen zu erledigen.

Das erste mal mit dem eigenen Campervan loszuziehen und eine Nacht in ihm zu verbringen war sehr Interessant. Einem wurde bewusst, dass sein Zuhause nun dieses Auto war. Einerseits, welche unglaubliche Freiheit das mit sich brachte aber andererseits auch den Verzicht auf sonst selbstverständliche Sachen. Man musste sich nun in vielen Bereichen anpassen und manchmal auch limitieren. Der Ausflug hat sich jedenfalls sehr gelohnt! Sollte man auf einem Rundtrip durch Neuseeland an Christchurch vorbeikommen, empfehle ich unbedingt sich die Zeit zu nehmen und einen Abstecher in diese Region zu wagen. 

Da Tim und Leiah geplant hatten am Freitag dem 17.01 zurück zu kommen und ich an diesem Tag auch Geburtstag haben würde, entschieden wir uns noch die zwei Tage bis zu ihrer Rückkehr im Haus zu bleiben und noch nicht abzureisen. Vormittags machten wir uns zum Anlass meines Geburtstages einen schönen Tag und Abends bereiteten wir als kleines Dankeschön von uns an die ganze Familie Abendbrot für alle zu, sodass sie nach Ankunft gleich an einen gedeckten Tisch kämen. Es gab sehr leckere, deftige Burger, unteranderem mit blue cheese, also Blauschimmelkäse und Apfel. Sie freuten sich über das Abendessen und sangen mir sogar noch ein Geburtstagsständchen. Dann war es aber auch schon Bettchenzeit. Wir wollten schließlich am nächsten Tag mehr oder weniger rechtzeitig Aufbrechen und die anderen hatten eine lange Autofahrt hinter sich. Am nächsten Morgen bedankten wir uns nochmal herzlich bei unseren Gastgebern und verabschiedeten uns. Abschließend überreichten wir ein kleines Gastgeschenk, nämlich Leipziger Lindentaler, eine süße Spezialität aus der Heimatregion. Dann ging es, der Main Rd aus Christchurch heraus folgend, los und auf in Richtung des Lake Tekapo!

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