Liebe Familie, Verwandte, Freunde und allgemein jeder der das irgendeinmal liest: Dies sind die ersten Zeilen und gleichzeitig der erste Versuch meines Reiseblogs zu meinem halbjährigen Neuseelandabenteuer. In diesem Blog möchte ich über gewonnene Erfahrungen, zu überwindende Schwierigkeiten, verschiedenste Herausforderung und die Fülle an Erlebnissen dieser Zeit berichten. Ich hoffe euch somit ein Stück weit an meiner Reise über grüne Grashügel, schroffe Gebirge und entlang rauen Küsten, letztendlich quer über das andere Ende der Welt, teilhaben lassen zu können.
Nun erst einmal ein Wort zu mir bzw. zu uns. Ich bin Sebastian, 19 Jahre alt, Absolvent und habe letzten Sommer 2019 mit Freuden mein Abiturzeugnis erhalten. Das Ticket zur Freiheit! Für manche das Ticket zur Freiheit direkt danach das studieren zu können von dem sie schon lange träumten… oder für andere, wie mich, das Ticket, für die so ziemlich einmalige Gelegenheit vor Beginn eines neuen Lebensabschnittes nochmal ein kleines Abenteuer einzuschieben. Den gleichen Entschluss hatte mein langjähriger Freund und jetziger Reisekumpane Friedemann ebenfalls gefasst. Friedemann ist 20 Jahre alt und beendete ebenfalls im Sommer 2019 sein technisches Fachabitur erfolgreich. Für ihn stand fest: „Bin ich raus aus der Schule, möchte ich was erleben!“. Ich hatte mir also die Idee in den Kopf gesetzt, nach der Schule mein Ticket einzulösen, ungebunden herumzureisen und einfach so viel wie möglich zu erleben. Wie die meisten von euch schon wissen, erwählte ich mir als Ort für mein Abenteuer das auf der anderen Seite der Welt liegende Neuseeland. Jeder der schon einmal „Der Herr der Ringe“ oder auch „Der Hobbit“ geschaut hat, kennt einige der unglaublichen Landschaftskulissen, welche dieses schon fast magische Inselpaar zu bieten hat. Zu zweit reist es sich meist besser, also fragte ich kurzerhand Friedi gegen Anfang letzten Jahres, ob er denn Lust hätte sich meiner Reise anzuschließen. Er willigte ein!
Wer selbstbestimmend, spontan und flexibel unterwegs sein möchte, muss sich von vornherein schon mal von einem festen Dach überm Kopf verabschieden. Wir wollten möglichst mobil sein. Das bedeutet im Umkehrschluss: Man braucht ein Auto. Nun ist es natürlich auch so, dass sich mehrere Monate Reisen, Verpflegung und etwaige Aktivitäten nicht von alleine finanzieren. So war uns klar, wir brauchen einen Campervan. Die Idee dahinter sah folgendermaßen aus. Wir würden uns nach Ankunft in Neuseeland online und auf diversen Automärkten (sog. car fairs) einen Überblick über das Angebot verschaffen und in der großen Masse idealerweise einen für uns passenden Camper finden. Mit diesem würden wir dann unsere Reise bestreiten, könnten das breite Angebot an Freedom Campingplätzen (also kostenlose Plätze) nutzen und so viel Geld für Übernachtungskosten sparen. Kurz vor Abreise würden wir den Van dann wieder mit möglichst wenig Wertverlust auf einer car fair verkaufen, sodass sich unsere Übernachtungskosten effektiv nur auf die Differenz zwischen Kauf-und Verkaufspreis beliefen. Diese Autos sind meist von Baujahren um die Jahrtausendwende und gibt es in allen möglichen Ausführungen, vor allem was die Kilometer anbelangt. Die meisten liegen dabei zwischen 150.000 und 400.000 Kilometern. Es handelt sich fast ausschließlich um japanische Importfabrikate, zumeist Toyota, Mitsubishi und co, welche innen mit Holz ausgebaut wurden. In der Regel beläuft sich das Ganze auf eine Betteinheit mit reichlich Stauraum darunter und eine Art Küchenzeile, entweder direkt hinter der Fahrerkabine oder im Kofferraum, also hinter dem Bett. Bei teureren Modellen findet sich teilweise noch extra Ausstattung, wie Beispielsweise ein Solarpanel auf dem Dach, welches eine zweite Batterie lädt und über die dann wiederum ein kleiner Kühlschrank betrieben wird. Da dies jedoch kein Campermagazin werden soll, gehe ich jetzt nicht zu sehr ins Detail. Ein solches Auto sollte also unser Zuhause für das gute nächste halbe Jahr werden.
Ende September war dann der Flug gebucht. Es sollte am 30. Dezember 2019 losgehen. Ebenfalls Anfang diesen Monats begann ich mit meinem ersten Mini-Job bei einer Möbelspedition. Im Oktober dann noch zusätzlich bei Mediamarkt als Elektronikfachberater auf Teilzeitbasis. Neben meinen beiden Jobs, die ich bis Ende Dezember ausübte, mussten für die Reise natürlich noch einige standardmäßige Erledigungen, wie das beantragen eines Visums, eines internationalen Führerscheins, das Abschließen einer Reisekrankenversicherung und ein paar weitere Sachen erledigt werden. Da ich genau weiß wie viel Spaß ich immer mit dem ganzen Organisatorischen im Zuge der Reisevorbereitung hatte, erspare ich euch die Einzelheiten jetzt mal lieber und wir spulen einfach vor bis zum 1. Januar, dem Tag unserer Ankunft in Auckland.